Abbildungsfehler

Abbildungsfehler: Beratung und Tests

Allgemeines

Rein physikalisch sind Abbildungsfehler Abweichungen vom vorgesehenen Strahlengang, wie sie bei optischen Systemen und damit auch Kamera-Systemen auftreten können. Dahinter stehen unvollkommene Abbildungsleistungen von Linsen. In der Fotografie ist es wichtig, diese Abweichungen zu kennen, um die Güte von Linsen beurteilen zu können und auch mit diesen Fehlabbildungen arbeiten zu können. Manche sind in der kreativen Fotografie erwünschte Effekte.

Arten der Abbildungsfehler

Monochromatische Aberrationen

Sphärische Abweichung

Bei kreisförmigen Linsen werden die äußeren Strahlen stärker gebrochen, und es entstehen in der Folge in diesen Bereichen Unschärfen. Abblenden hilft dieser Problematik ab. Beim Weichzeichnen setzt man den Effekt bewusst und gewollt ein.

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„Sphaerische Aberration“ Created by DrBob

Koma

Wenn sich runde Motive am Bildrand befinden, kann die sphärische Aberration verstärkt werden und dazu führen, dass die runden Gegenstände oval erscheinen.

Vignettierung

Ränder eines Bildes erscheinen abgedunkelt, weil die schräg auf die Linse fallenden Lichtstrahlen dunkler sind, als gerade auftreffende Strahlen. Es tritt eine natürliche Vignettierung auf, die auf rein physikalischen Prinzipien beruht. Dagegen wird eine künstliche Vignettierung durch das zu stark einengende Objektivgehäuse verursacht. Letztere lässt sich durch Abblenden abmildern.

 

Vignettierung:  Abschattung am Bildrand

Vignettierung: Abschattung am Bildrand

Diese Abweichung tritt bei nicht ganz kugelförmig geschliffenen Linsen auf und führt zu einer erheblichen Minderung der Schärfe an den Rändern des Bildes. Auch hier lässt sich Abblenden als Gegenmittel einsetzen. Gute Linsen kombinieren verschiedene Materialien und Schlifftechniken so geschickt, dass Astigmatismus nicht mehr auftreten kann.

Bildfeldwölbung

Diese Aberration tritt vor allem bei Weitwinkelobjektiven auf. Steht ein gerades Objekt der gewölbten Linse gegenüber, so haben die Punkte aufgrund der Wölbung unterschiedlichen Abstand zur Linse. Auch tritt an den Rändern eine Unschärfe auf, die durch Abblenden vermindert oder als kreatives Element genutzt werden kann.

Verzeichnungen

Sie entstehen, wenn die Blende nicht mit der bildseitigen Ebene korrespondiert. Dadurch können je nach Richtung der verschobenen Ebene, kissen- oder tonnenförmige Wölbungen des Motivs entstehen. Abhelfen kann man diesem Fehler durch Anpassung der Brennweite, sofern die Kamera nicht über einen automatischen Korrekturmodus für dieses Problem verfügt.

Reflexionen

Nicht vergütete Linsen produzieren häufig Reflexionsbilder auf dem Foto, da sich auf Glaslinsen eine Reflexion grundsätzlich nicht vermeiden lässt. Allerdings minimieren moderne, vergütete Linsen, sogenannte Multi-Coated Linsen diese Abweichung fast gegen Null.

Chromatische Aberrationen

Das Licht fällt mit einer bestimmten Wellenlänge auf die Glaslinse auf und beeinflusst als sogenannte Dispersion den Brechungsindex des Glases. In diesem Feld können Farbfehler bei der Abbildung auftreten.
Moderne achromatische und apochromatische Linsensysteme verringern die chromatischen Aberrationen fast gegen Null, haben aber ihren Preis.

Farbquer und Farblängs Aberration

Fällt Licht unterschiedlicher Wellenlänge auf eine Linse, können vom Abbildungsmaßstab unterschiedlich große Teilbereiche entstehen. Einzelne Teile werden unscharf und/oder haben kantige Farbsäume. Der Farblängsfehler führt zu Unschärfe unabhängig von der Höhe des Bildes.

Gaußfehler

Gaußfehler entstehen bei schlecht gearbeiteten Linsen, indem die Wellenlänge auch mit den chromatischen Abbildungsfehlern eine Verbindung eingeht. Fehler verstärken sich.

Besser Fotografieren – sind Abbildungsfehler nur ärgerliche Fehler?

Abbildungsfehler spielen besonders bei der Auswahl und Güte-Einschätzung von Objektiven eine große Rolle. Moderne Techniken bei der Herstellung der Objektive können diese Fehlerquellen sehr stark verringern. Allerdings sind hochwertige Linsen auch sehr viel teurer als andere. Hier sollte vor allem der Einsteiger in die Fotografie abwägen, wie wichtig ihm die fast vollständige Beseitigung der Abbildungsfehler ist. Die Aberrationen verdeutlichen wie kaum ein anderes Phänomen, dass Fotografie mit physikalischen Gesetzmäßigkeiten zu tun hat. Je mehr man über sie lernt und ihre Mechanismen versteht, desto mehr lernt man über die Fotografie an sich. Profunde Kenntnisse in diesem Bereich ermöglichen erst das kreative, spielerische Umgehen mit physikalischen Gegebenheiten, das gute Fotografen beherrschen. Ausrüstung ist nur so gut wie der Fotograf selbst. Darüber hinaus lernt ein versierter Fotograf schnell, wann Abblenden hilft, was bei vielen der chromatischen Aberrationen der Fall ist. Die bewusste Erzeugung mancher Abbildungsfehler eröffnet kreative Möglichkeiten im Schärfe- und Unschärfebereich, aber auch bei den Verzerrungen, die man absichtlich als gestalterisches Element wünscht und einsetzt.

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